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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Orthopädie & Unfallchirurgie

Osteomyelitis: Diagnose

Osteomyelitis (Knochenabszess)

Definition

Knochenmarkentzündung; meist mit Knochenentzündung (Ostitis, Periostitis) durch Bakterien, Viren und Pilze. Je nach Art des Erregers wird eine unspezifische und spezifische Osteomyelitis, nach der Entstehung eine endogene-hämatogene und exogene-traumatische Osteomyelitis und nach dem Verlauf eine akute und chronische Osteomyelitis unterschieden.

Osteomyelitis, akute

 

Formen:

 

Endogene hämatogene Osteomyelitis

Säuglingsosteomyelitis

Definition

Befall meist der Femurmetaphysen. Ausbreitung subperiostal, in Markraum oder Einbruch über Gefäßverbindung in Epiphyse und angrenzendes Gelenk

Ätiopathogenese

Hämatogene Keimabsiedlung in Metaphysen, auch in Diaphysen durch permanente Erregerstreuung von Fokalinfekt bei Nabelgefäßinfektion, Otitis, Nasopharyngitis, Sepsis; hauptsächlich Streptokokken, Staphylokokken, Anaerobier, Pseudomonas. Beim diabetischen Fuß häufig als Folge von exogenen Infektionen.

Symptome

Hoch akut bei normaler Abwehrlage, verschleiert bei Überlagerung mit vorbestehendem reduziertem Allgemeinzustand, z. B. bei Sepsis. Folgend stark beeinträchtigter Allgemeinzustand, Fieber, Anämie, lokal Schwellung, Rötung, Überwärmung, Druckschmerz, Entlastungshaltung, Schonung

Diagnostik

 

Labor

 

Hb erniedrigt, Ery's vermindert, Leuko's stark erhöht, BSG stark erhöht, Gamma- und Beta-Globuline erhöht, CRP erhöht, Keimnachweis in Punktaten und Blutkulturen

 

Röntgen/CT/MR/Knochenscan

 

Anfangs unauffällig, später Osteopenie, lytischer Herd, reaktive Sklerosierung; Gelenkdestruktion, evtl. Luxation, Sequester, Epiphysenfugen gestört

 

Szintigramm

 

Anfangs unauffällig, später massive Anreicherung, Hinweise auf weitere Herde

 

Sonographie

 

periostale Reaktionen, Abhebung; Gelenkerguss

Differenzialdiagnose
  • Maligne Erkrankungen: Leukosen (akute lymphatische Leukämie, selten akute myeloische Leukämie; Labor), Neuroblastom (Katecholamine im Urin); Histiocytosis X (Hepatosplenomegalie, papulöse Exantheme)
  • Trauma: Unfall, Battered Child (Anamnese, Allgemeinsymptome)
  • Osteosarkom: Biopsie, Röntgen (Spiculae, Codman-Sporn)
  • Ewing-Sarkom: Labor, Biopsie, Röntgen (Zwiebelschalen)
  • Bei Gelenkbefall auch rheumatische Arthritis, spezifische Arthritis
Verlauf

Führt unbehandelt zu Empyem, Zerstörung der Epiphyse mit Knochenkern und des Gelenkknorpels (Luxation, Epiphysenlösung, Gelenkdeformität)

Juvenile Osteomyelitis

Definition

Befall der Metaphysen langer Röhrenknochen, oft des Femur. Ausbreitung subperiostal und in den Markraum. Schneller Kortikalisdurchbruch, Periostabhebung, Knochennekrose, Kortikalissequester; Epiphysenfuge nicht durchlässig, Gelenkbefall nur bei intrakapsulärer Metaphyse (proximales und distales Femur)

Ätiopathogenese

Hämatogene Keimabsiedlung in Metaphysen, auch in Diaphysen durch permanente Erregerstreuung von Fokalinfekt bei Otitis, Nasopharyngitis, Paronychie, Pyodermie

Symptome

Hoch akut, evtl. Sepsiszeichen mit Fieber, Schüttelfrost; lokal starke Schmerzen, Schwellung, Rötung, Überwärmung, Schonhaltung, lokal subjektive Beschwerdearmut möglich

Diagnostik

 

Labor

wie Säuglingsosteomyelitis

 

Röntgen

Anfangs unauffällig, ab 3. Woche periostale Abhebung, lytische Herde, Sequester, periostale Knochenbildung; bei Gelenkbefall Destruktion, Luxation

 

Weitere

wie Säuglingsosteomyelitis

Differenzialdiagnose

wie Säuglingsosteomyelitis

Erwachsenenosteomyelitis

Definition

Selten, Befall der Diaphysen, auch Metaphysen bis in den subchondralen Raum mit sekundärem Gelenkbefall, auch platte Knochen, Wirbelkörperbefall, bei Kortikalisdurchbruch Weichteilabszess, Fisteln, selten Sequester

Ätiopathogenese

wie juvenile Osteomyelitis

Symptome

Gelegentlich septische Zustände, reduziertes Allgemeinbefinden; lokal teigige Schwellung, Schmerz, Bewegungseinschränkung, bei Gelenkbefall akute Entzündungszeichen, sympathische Ergüsse an Nachbargelenken möglich

Diagnostik

 

Labor

 

wie Säuglingsosteomyelitis

 

Röntgen

 

Anfangs unauffällig, später lytische Herde mit Sklerosesaum, kaum Periostreaktionen, selten Sequester, evtl. Fisteldarstellung

 

Szintigramm

 

anfangs unauffällig, später massive Anreicherung

 

Sonographie

 

Weichteilabszess, Fisteln, kaum periostale Reaktion

Differenzialdiagnose
  • Osteosarkom: Biopsie, Röntgen (Spiculae, Codman-Sporn)
  • Ewing-Sarkom: Labor, Biopsie, Röntgen (Zwiebelschalen)
  • Bei Gelenkbefall auch rheumatische Arthritis, spezifische Arthritis

Exogene posttraumatische Osteomyelitis

Definition

Mit zunehmendem Alter häufiger, nach offenen Frakturen, Stichwunden, operativen Eingriffen

Ätiopathogenese

Virulente Keime in bradytrophem Gewebe oder Höhlen (Weichteilkontusion, Hämatome, banale Traumen, z. B. beim diabetischen Fuß), meist Staphylokokken, Gasbildner, Hospitalismuskeime, bei nekrotisierenden Prozessen auch Anaerobier (anaerobe Kokken und Bacteriodes spp.)

Symptome

Septische Zustände möglich, Fieberzacken, lokal Entzündungszeichen, putride Sekretion, Gasbildung

Diagnostik

 

Labor

 

Lange nach Trauma oder Eingriff persistierende oder progrediente Entzündungsserologie, Anämie

 

Röntgen

 

Sequester, Lysen, Säume um Implantate

 

Szintigramm

 

wegen vorherigem Gewebestress kaum aussagefähig

Differenzialdiagnose
  • Operationstechnisch lockere Implantate
  • Rezidivfilia eines Malignoms nach Ausräumung (Histologie)
  • Primärer maligner Tumor

Osteomyelitis, spezifische (Tbc, Lues)
(Synonyma: tuberkulöse, luetische Knochenentzündungen)

Definition

Tbc, Lues (Spätform der Lues connata oder Lues III): Allgemeinerkrankung mit hämatogenem Knochenbefall

Ätiopathogenese
  • Tbc: hämatogen metastatische Erregerabsiedlung ossär (metaphysärer Herd, Verkäsung, Einschmelzung, Gelenkeinbruch) bei Allgemeinerkrankung
  • Lues: eher bei Lues connata, selten Lues III, hämatogen metastatische Erregerabsiedlung ossär (metaphysäre Gummen, Gelenkeinbruch)
Symptome

Der Grunderkrankung entsprechend Reduktion des Allgemeinbefindens, Nachtschweiß, Appetitmangel, Leistungsabfall, subfebrile Temperaturen, lokal Schonhaltung, evtl. Schonhinken, langsame Schwellungszunahme, keine besonderen sonstigen Entzündungszeichen, bei Gelenkbefall meist trüber Gelenkerguss (Lues: gelblich-grün)

Diagnostik

Labor

 

  • Tbc: BKS–/erhöht, Lymphozytose, Tuberkulintestung: < 12 Jahre Perkutantest (nach Moro) oder Tuberkulinsalbe "S", wenn negativ, Tine-Test, > 12 Jahre Tine-Test oder Mendel-Mantoux-Test
  • Lues: Keimnachweis im trüben, evtl. putriden Gelenkpunktat (mikroskopisch, Tierversuch, Wassermannreaktion), serologisch Treponemen-Titer

 

Röntgen

 

Spindelige diaphysäre Verdickung mit Periostschalen (Spina ventosa) oder massive Knochenatrophie, verwaschene Zeichnung, Zysten, evtl. Sequester; bei Gelenkbefall erst Gelenkspaltverbreiterung, Kapselschatten, Osteopenie, dann Periostalreaktion, Gelenkspaltverschmälerung, Destruktionen, Dezentrierung, evtl. Nachweis von Gummen

 

Sonographie bei Gelenkbefall

 

Ergussnachweis, Kapselreaktion, Senkungsabszess

 

Szintigramm

 

Anreicherung, weitere Herde

Differenzialdiagnose

Unspezifische Knochenentzündung, aseptische Epiphysennekrose

Verlauf

oft sekundär Gelenkbefall mit Knorpelzerstörung, Ankylose

Osteomyelitis, chronische und rezidivierende
(Synonyma: sekundäre endogene/exogene Osteomyelitis)

Definition

Mit zunehmendem Alter häufiger, vorausgegangene hämatogene (endogene) oder traumatische (exogene) Osteomyelitis ohne adäquate Therapie

Ätiopathogenese

Keimabsiedlungen niedriger Virulenz in bradytrophen Geweben oder Höhlen, die unter Bedingungen gestörter Körperabwehr exazerbieren können

Symptome

Septische Zustände oder reduziertes Allgemeinbefinden bei Rezidiv selten, Fieber möglich, lokal Entzündungszeichen, Fluktuation möglich, nach Aufbrechen einer Fistel Beruhigung, im Intervall lokal Weichteilinduration und Änderung des Hautkolorits häufig

Diagnostik

 

Labor

 

bei Rezidiv Entzündungsserologie, Keimnachweis im Abstrich, im Intervall auch negatives Labor

 

Röntgen

 

Sequester, Sklerosierungen, oft Markraumobliteration; Tomogramm; Fistelfüllungen

 

Szintigramm

 

(Knochenvitalität)

 

Sonogramm

 

(Abszesse, Fisteln)

Differenzialdiagnose
  • Brodie-Abszess: Röntgen (Sklerosierung metaphysär; keine Fistel)
  • Primäre akute Osteomyelitis: Klinik, Labor
  • Knochenzysten, Enchondrom
  • Filia eines Malignoms
  • Primäres Knochenmalignom (Osteosarkom)

Verlauf: Rezidive häufig

Brodie-Abszess
(Synonym: chronischer Knochenabszess)

Definition

Oft Zufallsbefund oder bei sympathischen Gelenkergüssen entdeckter, oft kniegelenksnaher, metaphysärer oder in der Epiphyse eines langen Röhrenknochens ablaufende zentralherdförmige, eitrige Osteomyelitis.

Ätiopathogenese

abgekapselter (Narbe, Granulationsgewebe) septischer Prozess bei guter körperlicher Abwehrlage und niedriger Keimvirulenz

Symptome

Kaum Beschwerden, gelegentlich sympathischer Erguss benachbarter Gelenke

Diagnostik

 

Labor

 

negativ, gelegentlich leichte Lymphozytenvermehrung

 

Röntgen

 

Aufhellung mit Sklerosesaum metaphysär, oft kniegelenksnah

 

Szintigramm

Differenzialdiagnose
  • Osteoblastom: nächtliche Schmerzen, Salicylate
  • Osteoidosteom: kortikaler Sitz, Nidus, nächtliche Schmerzen, Salicylate
  • Knochenzysten, Enchondrom, Osteosarkom: Klinik, Labor, Szintigramm, Biopsie
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Letztes Update:13 März, 2009 - 12:38